Was wurde gefragt – was wurde geantwortet – und was wird jetzt beworben?
Bärbel Sauer, Stadtverordnete der Sozialen Liste Bocholt:
Im März habe ich für die Soziale Liste Bocholt eine Ratsanfrage zum neuen Konzept des Aasee-Festivals gestellt.
Wir wollten ganz konkret wissen:
Welche Vorfälle machen eine Einzäunung notwendig? Wo sind die konkreten Sicherheitsprobleme? Welche Zahlen belegen das Müllproblem? Warum reichen andere Maßnahmen nicht aus? Und wie bleibt der bisher offene Charakter des „Umsonst & Draußen“ erhalten?
Die Antworten der Stadt bzw. des Veranstalters liegen seit dem 15. April vor.
Und jetzt, kurz vor dem Festival, lohnt sich der Faktencheck.
➤ SICHERHEIT
Wir haben nach konkreten Vorfällen und Gefahrenlagen der vergangenen Jahre gefragt.
Genannt werden keine konkreten Unfälle oder Vorfälle, die eine Einzäunung zwingend erforderlich machen. Stattdessen wird allgemein auf die nicht kontrollierbare Besucherzahl und mitgebrachte sperrige Gegenstände verwiesen.
Das ist eine Risikoeinschätzung – aber kein konkreter Nachweis dafür, dass ein Zaun notwendig ist.
➤ MÜLL
Genannt werden 1,64 Tonnen für 2024 und 2,54 Tonnen für 2025.
Zahlen für 2022 und 2023 fehlen.
Auch die Aussage, der Restmüll stamme „fast ausschließlich“ von mitgebrachten Speisen, Getränken und Gegenständen, wird nicht durch eine konkrete Erhebung belegt.
Auf unsere Frage, warum zusätzliche organisatorische Maßnahmen nicht ausreichen, lautet die Antwort im Wesentlichen: Sie seien nicht umsetzbar.
Warum genau, bleibt offen.
➤ UND DAS IST FÜR UNS ENTSCHEIDEND: DER ÖFFENTLICHE RAUM
Der Aasee und seine Flächen sind Teil des öffentlichen Lebens unserer Stadt.
Bisher war das Aasee-Festival ein offenes „Umsonst & Draußen“-Familienfest. Man konnte mit Kindern, Freunden und Familie kommen, die Picknickdecke, den Bollerwagen, Essen und Getränke mitbringen und gemeinsam einen Tag am Aasee verbringen.
2026 wird daraus:
• Einzäunung
• zentrale Eingänge
• Taschenkontrollen
• Ausschluss bei verweigerter Kontrolle
• maximal 1 Liter Getränk pro Person
• keine Glasflaschen
• keine Kühlboxen, Körbe, Bollerwagen, Tische oder Stühle
• keine Grills
• kein Essen von Lieferdiensten
Der Eintritt ist weiterhin kostenlos. Aber der bisherige offene Charakter ist es nicht mehr.
Und genau das verstehen viele Bürgerinnen und Bürger nicht:
Wie kann ein bisher frei zugängliches Fest auf öffentlichem Gelände plötzlich nur noch unter so vielen Bedingungen besucht werden?
➤ WAS PASSIERT MIT DEM FAMILIENFEST?
Für uns geht damit ein Stück des ursprünglichen Aasee-Festivals verloren.
Denn Familienfreundlichkeit bedeutet nicht nur einen kostenlosen Kinderbereich.
Familienfreundlichkeit bedeutet auch, dass Eltern ihre Kinder versorgen können, dass man seine Decke und bisher erlaubte Dinge mitbringen kann und dass man gemeinsam mit Freunden und Familie unkompliziert einen Sommertag am Aasee verbringen kann.
Genau dieser ungezwungene Charakter wird eingeschränkt.
➤ UND DANN DIE GASTRONOMIE
In unserer Anfrage wurde auch gefragt, wie eine Kommerzialisierung verhindert werden soll. Die Antwort: Eine „schleichende Kommerzialisierung“ werde nicht angestrebt.
Auf der aktuellen Festival-Seite wird gleichzeitig ausdrücklich erklärt, dass es gegenüber den Gastronomen „fair“ sei, diese vor Ort zu unterstützen.
Und das gastronomische Angebot wird ausführlich beworben.
Das wirft eine berechtigte Frage auf:
Wenn Besucher ihr eigenes Essen und ihre Getränke nur noch eingeschränkt mitbringen dürfen und gleichzeitig die Gastronomie vor Ort besonders unterstützt werden soll, welche wirtschaftliche Bedeutung haben diese neuen Regeln tatsächlich?
➤ UNSERE POSITION
Wir sind für Sicherheit.
Wir sind für Sauberkeit.
Wir sind auch für eine gute Gastronomie.
Aber wir sind dagegen, weitreichende Einschränkungen für die Bürgerinnen und Bürger einfach mit allgemeinen Behauptungen zu begründen, ohne die dafür abgefragten konkreten Fakten vorzulegen.
Wir haben Fragen gestellt.
Auf einige dieser Fragen wurden keine konkreten Fakten geliefert, stattdessen wurden allgemeine Begründungen zusammengestellt.
Und jetzt wird das neue Konzept als Verbesserung für Sicherheit, Sauberkeit und Komfort beworben.
Wir finden: Die Bürgerinnen und Bürger haben das Recht, die Argumente kritisch zu hinterfragen.
Denn ein kostenloses Festival ist nicht automatisch noch dasselbe „Umsonst & Draußen“, wenn der Zugang kontrolliert, das Gelände eingezäunt und das Mitbringen vieler bisher selbstverständlicher Dinge verboten wird.
Aasee-Festival: Ja.
Sicherheit und Sauberkeit: Ja.
Aber bitte ohne den offenen und familienfreundlichen Charakter aufzugeben.